Montag, 12. Juni 2017

Leben ändern sich...

Veränderungen die nicht leicht waren, sich aber im Nachhinein erleichternd anfühlen, sind Veränderungen in Sachen Freundschaft. Lange habe ich mich nur schlecht damit abgefunden, dass sich Wege vielleicht einfach trennen. Dass Interessen sich ändern und auch die Leben. Ich war nahezu versessen darauf, irgendwas retten zu müssen. Auch heute noch denke ich manchmal mit mulmigem Gefühl daran, aber letztendlich werfe ich einen anderen Blick drauf. Wir alle ändern uns, nur wenige Freundschaften bleiben für immer gleich. Man darf sich auch eingestehen, dass man nicht immer nur geben möchte. Man darf sich eingestehen, dass die Interessen andere sind. Bis hier her war es aber ein harter Gedankenkampf...

Ich hatte in Freundschaften so meine Probleme, wusste lange nicht woran es lag, lag es wirklich nur an mir? Hatte ich mich so verändert, dass es nicht mehr passt? Ich wollte einfach mehr gesehen werden. Wahrgenommen werden. Meine Mama-Freundin wurde von mir immer gesehen. Ich habe mitgefiebert, habe nachgefragt, habe mir endlos erzählen lassen, habe mir Zeit genommen, wann es für sie am Besten war, bin mit Veränderung die sich dadurch ergeben haben immer mitgegangen. Ich frage mich manchmal warum es so schwer ist im Gegenzug ein Stück meines Weges mit zu gehen? Ok er ist zu Ende, aber ich und mein Leben wir sind ja noch da. Die, von der ich erwartet hätte, dass sie weiß, was Abschied für uns bedeutet, war auf einmal weg und hat sich zurückgezogen. Auch jetzt noch. Das tat eine ganze Zeit lang richtig weh. 

Jetzt hat sich alles ein wenig verändert. Wir (genaugenommen war es glaube ich nur ich) zeigen es nicht mehr so. Es ist eben vorbei. Man trauert anders und man trauert nicht mehr permanent. 
Und doch ist das was wir bis hier her überstanden haben, fester Bestandteil unseres Lebens. Unser Wunsch nach unserem Kind wird immer da sein, die Ängste die wir während der Kinderwunschzeit hatten, bezüglich dem Altwerden, der Einsamkeit, oder der Partnerschaft, die sind trotzdem immer noch da. Es lösen sich manche Knoten, aber nicht alles löst sich mit einer einzigen Entscheidung in Luft auf...Nur werden langsam wieder andere Themen wichtiger. Back to Basic. Ich würde manchmal lieber Fragen stellen wie: Wie geht es DIR? Statt wie geht es euch...Aber wir wissen wie die Frage nach dem 'wie geht es dir' aus geht, selbst da stehen eigentlich immer die Kinder im Vordergrund. Und sollte tatsächlich eine ernst gemeinte Gegenfrage kommen, so passt meine Antwort meistens immer noch nicht so ganz in einen lockeren kleinen Frühstücksplausch, zwischen Kindergarten und Schulende um 11 Uhr. 

Jetzt bin ich zwischenzeitlich entspannter geworden. Entweder ein Treffen läuft und es ist toll oder es ist unentspannt, dann sind es ja nur zwei, drei Stunden, die man aussitzt. In meinem Kopf sind allerlei Dinge, über die ich während einseitiger Unterhaltungen parallel nachdenken kann. 
Ich bin froh, über manche Freundschaft so entschieden zu haben, bzw. sie in einem anderen Licht und mit etwas mehr Abstand zu betrachten. Ich bin froh, dass ich offener geworden bin und dass ich offen genug war, andere wunderbare Menschen in mein Leben zu lassen, die es so sehr bereichern. Wieder ein weiterer Schritt in Richtung Selbstheilung und mehr Zufriedenheit würde ich sagen. Ich weiß, dass ich nicht mit jedem über uns reden kann und ich weiß inzwischen, dass man manchmal doch lieber schweigt um sich nicht in Rage zu reden oder sich gar die ganze Zeit rechtfertigen zu müssen. Manchmal muss man wohl besser einfach weiter zuhören, es bringt einen nicht um es raubt lediglich ein wenig Zeit. Thema Kind ist eben immer und für jeden selbstverständlich. Beim Thema Kinderlosigkeit sieht es leider immer noch recht mau aus. Da darf man im Gegenzug vielleicht nicht erwarten, dass einem stundenlang nur zugehört wird. 

Aber hin und wieder fehlt es eben doch...das Austauschen, das darüber Reden. Hierfür gibt es keine Treffs, keine Stammtische. Ich habe Glück. Weil ich hier bin und mit mir noch eine handvoll andere wundervolle Frauen, die ihre Gedanken regelmäßig mit mir teilen. Nur in den Arm nehmen, das geht hier eben schlecht und das ist es, was mir manchmal schon fehlt, an der Hand genommen zu werden von jemandem der den gleichen Weg geht wie du...hier im echten Leben geht man die andere Richtung dann doch zeitweise etwas einsam entlang. Ich wünsche mir, dass viel mehr Frauen, die in unserer Situation sind das Wort ergreifen, einfach um unserer Thematik ein wenig mehr Selbstverständlichkeit zu geben. Wir SIND viele, aber wir sind noch so leise...






Kommentare:

  1. Liebe Wünschi, ich kann dir seeehr gut nachfühlen. Es war für mich schwierig zu merken, dass manche Freundschaften einfach nicht mehr stimmten, dass sie mich nur aussaugten, oder dass wir schlicht kaum (mehr) etwas gemeinsam hatten. Zum Teil wurden solche Kontakte mir zu anstrengend. Es ging nicht mehr. Freundschaften funktionieren nur dann, wenn BEIDE Seiten sich füreinander interessieren. Genau das: den anderen "abhören" und dann am Ende nichts von sich selbst erzählen können (klingt bei dir ähnlich!), das geht für mich auf Dauer nicht mehr. Es braucht ein Gleichgewicht.
    Loslassen braucht Mut. Und Vertrauen. Ganz so easy ist das nicht, wenn das Urvertrauen in den Grundfesten erschüttert ist wie bei der ungewollten Kinderlosigkeit. Jedenfalls bei mir war das so, ich weiss nicht, ob das bei anderen auch der Fall ist ;-). Aber es hat sich gelohnt zu vertrauen. Kaum ging es mir wieder "gut", da kam alles auf mich zu: neue Bekanntschaften, interessante Menschen, solche, die sich für MICH interessieren und nicht nur ihren Ballast bei mir abladen. Und auf einmal (so schien es jedenfalls) war der Kalender wieder voll, mein Leben reich. Ich möchte dir daher Mut machen, liebe Wünschi! Es ist schwer, mit gefühlt leeren (oder sich leerenden) Händen dazustehen, was Freundschaften angeht. Aber nur Hände, in denen noch Platz ist, können neu gefüllt werden :-)! Herzliche Sommergrüsse und einen lieben Drücker an dich <3!

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  2. Herzliche Sommergrüße an dich zurück inklusive Drücker und Kuss. Danke, dass du immer wieder Mut machst ♥

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  3. Liebe Wünschi! Freundschaften sind bei diesem Thema und ich glaube, auch im Generellen in unserer Altersklasse immer wieder schwierig. Man (oder ich!?) verknüpft mit Freundschaften oft teilweise von Kindheitsbeinen bzw. von der Schule aus an, eine gemeinsame Grundlage. Irgendwie sind alle "gleich", alle haben die gleiche Ausgangslage.
    Irgendwann beginnt dann das "Auseinanderzudriften". Das ist alles noch nicht so schlimm. Man ist ja Jugendlicher/ Junger Erwachsener,... man findet ständig neue Bekannte, manche davon werden dann neue Freunde. Alles gut, alles easy! So war es zumindest bei mir. Warum? Weil wir uns meist ja wieder Menschen suchen, die in dieser Phase auch wieder ähnliche Ausgangsbedingungen haben.
    Und bei unserem Thema "leider keine Kinder" wird`s dann schwierig. Man hat seinen Freundeskreis, es hat sich alles eingespielt..... und man möchte natürlich auch einfach Mitmachen beim nächsten Schritt, bei dem Schritt den alle unsere Freundinnen so nach und nach gehen. Bloß es klappt nicht! Und man findet keine Menschen, denen es ähnlich geht. Weil eben wenig darüber gesprochen wird. (Deshalb mache ich das ja auch anders. Ich rede darüber! Stolz bin!)
    Gleichzeitig finden bei unseren Freunden auch lebensverändernde Schritte statt. (Es fasziniert mich immer noch, zuzusehen, wie ein Kind vieles/ bis alles verändert.)
    Dass dann die Gespräche einseitig werden, das wissen wir ja, ich sage jetzt auch mal: leider. Das ist so. Ein paar ganz Wenige tauchen bald wieder aus dieser Blase auf/ oder sehen DICH als Mensch immer noch.
    Die meisten merken überhaupt nicht mehr wie ihr Thema die Gespräche dominiert. Weil sie sich ja auch wieder mit Menschen umgeben, die die gleiche Ausgangslage (=Eltern sein) haben. Da wird das Thema NIE langweilig.

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  4. Und wir sitzen da. Im Herzen gebrochen. Und so ging es mir zumindest: Ich befand mich in der schwierigsten Phase meines bisherigen Lebens.
    Neben der ganzen Belastung der Behandlungen, brechen uns, oft gefühlt, aber leider manchmal auch wirklich, die Freundschaften weg. Es wird wirklich sehr einsam um einen herum. (grad laufen die Tränen, weil die Gefühle wieder hochkommen von dieser Zeit... oh man, war das schlimm.) Ich, für mich persönlich, weis mittlerweile, dass es mir, alle um mich herum,in dieser Phase nicht Recht machen konnten. Keine Chance! Definitiv!
    Trotzdem ist dieses Gefühl dieser abgrundtiefen Einsamkeit noch sehr präsent bei mir. @Elaine: Danke für die Beschreibung "das Urvertrauen in den Grundfesten erschüttet" - das trifft es so ziemlich haargenau!
    Für mich funktioniert Freundschaft auf Sicht nur mit der gegenseitigen (!) Bereitschaft sich zu Zuhören. Am Ende ist es irgendwie auch ein "Geschäft", für beide sollte etwas "herausspringen" (emotional gesehen). Das hört sich jetzt sehr hart an, oder? Aber so fühlt es sich für mich an. Wenn man immer nur gibt und der andere nimmt,.... dann kann das Konstrukt "Freundschaft" nicht funktionieren.
    Für mich war, ähnlich wie bei dir, sehr belastend, dass sich viele Freunde zurückgezogen haben. Aus den verschiedensten Gründen. Aber v.a. weil sie mit der Situation in der wir uns befanden, nicht umgehen konnten. Sie waren überfordert. Ich denke, es lag/ liegt daran, dass die meisten unserer Altersgruppe noch keine "Lebenskrise" hatten (die kommen dann später). Und wir hingen mittendrin. Weil genau das ist ungewollte Kinderlosigkeit für die meisten nämlich: Die erste richtige Lebenskrise. (Bei mir war es so.)
    Seit dieser Erfahrung, gehe ich aktiv auf Menschen in meinem Umfeld zu, die eine schwierige Zeit haben. Auch wenn es mir schwerfällt. Auch wenn ich, ich erinnere mich gerade an einen großen Verlust, den eine meiner Freundinnen dieses Jahr erleben musste, riesen Angst habe. Ich auch nicht weis, was ich eigentlich sagen soll/ helfen kann.
    Aber einfach nur Anteilnahme zeigen, das ist so viiiiiel Wert und wurde mir sooooo oft verzagt. Aus Angst ja. Aber manchmal, glaube ich, auch aus Bequemlichkeit.
    Was ich schade finde, liebe Wünschi, dass du die einseitigen Gespräche, die 2-3 Stunden "absitzt". Manchmal kommt man da nicht drum rum, ich weis. Aber vielleicht wäre es besser, solche Freundschaften mal "etwas einschlafen" zu lassen. Man muss ja nicht auseinander gehen. Meine Erfahrung ist, dass die meisten doch irgendwann wieder aus dieser Kinderblase auftauchen. Wie hat es vor kurzem eine Freundin mir geschrieben: "Nur mit dir. Nur mit einer Erwachsenen. Nur Erwachsenen-Themen. Das würde ich mir wünschen." Schön oder! Da hab ich mich vielleicht gefreut :-)
    Und Elaine hat sowas von recht! Es muss auch wieder Platz für Neues/ für Anderes sein, auch für neue Freundschaften.
    Und noch was zum Schluss (ja es ist wieder lang geworden:-): Liebe Wünschi. Du bist auf einen guten Weg. Das fühle ich. Du weist ja, dass unser Weg ziemlich parallel läuft, daher möchte ich dir das einfach sagen. Weil auch ich mich wieder besser fühle. Ja manchmal sogar richtig GUT! Das ist schön.
    Alles Liebe. Bluete83

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    1. Liebe Bluete :*
      das hast du schön geschrieben, ich danke DIR sehr dafür. ♥♥♥

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  5. Liebe Blüte, das hast du sehr treffend geschrieben. Wie schön, dass du auf Menschen, denen es nicht so gut geht, zugehen kannst. Das ist bestimmt ein grosses Geschenk für diese, denn das macht kaum jemand. Herzlich, Elaine

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