Freitag, 30. Dezember 2016

2016

Ein weiteres Jahr dahin. Ein Jahr ohne Kinderwunschbehandlung, ein Jahr voller Hin- und Her. Ein Jahr, in dem wir wohl eine der schwersten Entscheidungen unseres Herzens treffen mussten. Wir haben viel geschwiegen, viel geredet, viel an einander vorbeigequatscht. Dass wir einander gegenseitig zu verstehen versuchten, dass wir dachten wir wüssten was der andere denkt...dass wir dann aber gemerkt haben, wie sehr wir damit auf dem Holzweg waren - das war speziell für mich nicht einfach und irgendwie so komplett unverständlich. Wir - wo wir doch ein Herz und eine Seele sind...da waren dann plötzlich so viel Zweifel. Auch zwischen uns. Was uns nahe zusammen gebracht hat, schien manchmal böse zwischen uns zu stehen, jeder machte sein Ding und kostbare Zeit verflog ohne viel Worte und ohne viel Gefühl.

Jetzt ist es vorbei. Und es fühlt gerade komisch an, wenn ich den Satz so schreibe. Vorbei bedeutete immer ein negativer Schwangerschaftstest. Diesmal bedeutet vorbei, dass der Platz an dem die Medikamente jahrelang verstaut waren, leer ist. Es bedeutet, dass in meinem Schrank ein dicker Ordner ist, in den ich seit fast einem viertel Jahr nicht mehr hinein gesehen habe. Vorbei bedeutet, dass wir plötzlich andere Themen haben. Vorbei bedeutet, dass ich nicht mehr Bauchweh vor dem Reden mit dem Lieblingsmann habe. Bedeutet - wenn wir frei haben, haben wir FREI. Vorbei bedeutet einerseits ein großes leeres Loch. Und doch bedeutet es jetzt am Jahresende für mich, ein Stück mehr Freiheit. Ein bisschen mehr wieder ich sein. Oder zumindest herausfinden wer ich mal war bevor ich fast 9 Jahre lang einen Plan hatte, der irgendwie komplett schief gelaufen ist. 
Vorbei bedeutet übrigens auch, dass es nicht mehr so wichtig ist, Pläne zu haben. Natürlich haben wir Pläne, Ziele, Dinge die wir machen möchten...aber auf all den Plänen ist jetzt kein Zeitdruck mehr. 

Erleichterung. Schwer zu beschreiben. Es ist erleichternd, wenn man endlich fühlt, dass man freier ist. Freier in der Zeit, freier im Leben. Trotzdem stelle ich mir oft die Frage, was ist das für ein Gefühl? Ist es, dass ich die Ruhe, die wir haben genieße? Oder ist das wirklich schon 'frei sein'? Oder ist es diese spezielle Leere aushalten zu können? Vorher war die Leere mit Einsamkeit und Schmerz gefüllt. Leere, in der jedes Nichtssagen zur bösen schweren Last wurde. Manchmal so schwer, dass ich es kaum aushalten konnte. Jetzt sind wir genauso viel allein, aber wir können es aushalten. Vielleicht einfach weil Gewissheit herrscht, weil wir es nicht ändern können, nicht verstehen, nicht erzwingen. Vielleicht weil sich unsere Blickrichtung langsam ändert. Weil in der Stille nicht mehr so viel Schwere liegt sondern Ruhe. Und Ruhe ist ein gutes Wort...

Meine Angst vor der Zukunft ist momentan gut auszuhalten. Ich lege meinen Schwerpunkt auf das Hier und Jetzt. Hört sich einfach an, ist es manchmal mehr und manchmal weniger. Es überfordert mich einfach, zu weit nach vorne zu schauen. Weil zu viele Wege offen sind. Es bringt nichts, mir momentan darüber Gedanken zu machen, weil es sowieso kommt wie es kommt. Egal ob gesund, krank, einsam oder gemeinsam. Es überfordert mich, weil ich es annehmen muss, egal wie unsere Geschichte ausgehen wird. Die Wahrscheinlichkeit, gemeinsam in hohem Alter Hand in Hand abends einzuschlafen, ist so hoch wie unsere Chance  auf natürlichem Wege schwanger zu werden ;) 
Aber JETZT kann ich unsere gemeinsame Zeit genießen. Jetzt kann ich dankbar darüber sein, dass wir uns haben. Manchmal denke ich, wie glücklich ich darüber sein kann, weil ich tatsächlich einfach die Zeit dazu habe, diese Situation zu erleben. Wie viele rennen der Zeit hinter her, vielleicht auch ihren Kindern, kommen irgendwann im Alter zur Ruhe und dann...war alles andere wichtiger als der Partner, der immer an unserer Seite war, den es dann vielleicht gar nicht mehr gibt.

Es klappt auch zunehmend besser mit dem Zurückschauen. Weil es mich einfach nicht weiter bringt, weil es mich verletzt. Also lasse ich es lieber. Denn wenn ich zurückschaue, dann bin ich manchmal wütend, weil ich auf so viel verzichten muss. Ich durfte einfach nicht erleben, wie es ist Mama zu sein. Ich durfte einfach nur schnuppern. Durfte erfahren wie unfassbar es ist, diesen Test in der Hand zu halten. Wenn ich an diesen Moment denke fühle ich die Traurigkeit und ich wage zu behaupten, dass ich noch nie so traurig und unglücklich in meinem Leben war wie in dieser Zeit. Die Kinderwunschbehandlungen haben ihren Preis. Unserer war hoch. Letztendlich viel zu hoch. Und dann denke ich, dass es richtig war. Richtig so zu entscheiden. Einen Schlussstrich zu ziehen, bevor noch mehr kaputt geht. Für mich ist gefühlstechnisch die Grenze weit überschritten worden. Und obwohl man weiß, was passieren kann und obwohl man weiß, dass bei Kinderwunschbehandlungen die Fehlgeburtsrate hoch ist - rennt man trotzdem hinein. Man wird es schon verkraften...tut man nicht. Zumindest ich habe es nie wirklich verkraftet. Dieses fürchterliche Gefühl von körperlichem und seelischem Schmerz, diese spezielle Form von Leere, die unerträgliche Stille...too much.
Ahhhh erwischt....kuck...zurückgeschaut...

Ich gehe ohne Wünsche und ohne großartige Pläne ins neue Jahr hinein. Vielleicht halte ich eine Glitzerwunderkerze in der Hand und vielleicht rollt auch ein Tränchen. Weil es mich rührt, wenn die Nacht für einen kurzen Augenblick glitzert und leuchtet. Und weil es schwer war bis hier her. Und traurig. Jetzt werde ich direkt ein wenig sentimental...weil ich die vergangenen Jahre so viel Herzenwünsche samt Wunschraketen in den Himmel geschickt habe. Dieses Jahr glitzert eine Wunderkerze für mich und den Lieblingsmann, die tausend kleinen Sternchen erinnern uns an das Pünktchen, das mit uns ins neue Jahr geht. Wir lassen mit 2016 viel zurück, viel schwere Last und viele Tränen. Na gut. Vielleicht wünsche ich mir doch eine kleine Kleinigkeit: Das neue Jahr 2017 soll leichter werden ♥

Und so lesen wir uns im neuen Jahr, danke an euch treue Leser, an die, die Mitfühlen und an die, die mir zu vielen Themen Input geben, dank der tollen Unterhaltungen außerhalb meines Blogs. 

2017 wir schaffen dich, weil wir mit allem was wir erleben und fühlen nicht alleine sind. Mit diesem Wissen entzünden sich die vielen Funkelglitzerwunderkerzen fast von selbst.
♥♥♥

Samstag, 24. Dezember 2016

Was ist Weihnachten ohne Kinder?

Ziemlich still wird es hier sein, wie jedes Jahr. Und wie nächstes Jahr und die Jahre die kommen werden. Weihnachten ohne Kinder wird gut werden, weil ich mich glücklich schätzen kann, dass ich am Weihnachtsabend eine Hand in meiner halten darf und im Prinzip ist das doch alles was man an solchen Tagen braucht. Weihnachten ist ein Fest voller Liebe, wer sagt denn, dass wir zu zweit kein liebevolles verzaubertes Weihnachten haben können. Natürlich ist da etwas das fehlt. Das wird es immer. Aber wir haben uns und unsere Lieblingsmenschen. Das größte Geschenk überhaupt. 


Viele Menschen sind tatsächlich einfach ganz allein. Auch Menschen die Kinder haben. Vielleicht sollten wir uns gerade heute ein bisschen mehr bewusst machen, dass das Glück einen Partner an unserer Seite zu haben etwas echt großes ist. Ich mache mir zur Zeit viele Gedanken über meine Lieblingsmenschen. Ich hatte ein kinderwunschtechnisch schlechtes Jahr. Und doch war es ein Jahr voller wertvoller Erfahrung und toller Begegnungen. Ein Jahr, das wie im Flug vorbei ging. Definitiv nicht mein schlechtestes Jahr, wie ich im Nachhinein feststelle. Ich habe wunderbare Mailkontakte seit ich hier meine kleine Wünscheseite aufgebaut habe. Habe tolle Menschen kennen lernen dürfen und das alles, weil ich hier bin, weil ich gerade diesen Weg hier gehe. Weil nun mal alles so ist wie es ist, weil genau das unsere Geschichte ist. Auf alle Lieblingsmenschen dieser Welt - danke dass es euch gibt! Dass ihr in all den gefühlt einsamsten Stunden bei uns seid oder an uns denkt. Ihr seid alles so wertvoll, vergesst das nicht. Ihr seid fabelhafte, starke und so liebevolle Frauen. 



Merry Christmas von mir an euch. Und was doch viel wichtiger ist, was wäre Weihnachten ohne dieses Viedeo...





Sonntag, 11. Dezember 2016

Glücksmomente der Woche #49


Worldwide Candle Lighting

Immer am zweiten Sonntag im Dezember findet das weltweite Kerzenleuchten statt. Heute denken wir weltweit an alle verstorbenen Kinder. Zum Worldwide Candle Lighting zünden wir abends um 19:00 Ortszeit für jedes verstorbene Kind eine Kerze gut sichtbar im Fenster an. Durch die Zeitverschiebung entsteht eine Lichterwelle, die in 24 Stunden einmal um die ganze Erde wandert. 



Unsere kleine Kerze steht für die Hoffnung, dass die Trauer unsere Leben nicht für immer im Dunkeln lässt. Wir sind nicht allein.

That their light may always shine...