Samstag, 31. Oktober 2015

Aus Enttäuschung wird wieder Wut...repeat...and repeat...and repeat...

Was ist das nur? Wir halten uns an den Händen aber können die Balance nur schwer halten. Er ist so viel lockerer als ich. Er sagt: ok - jetzt machen wir erst mal gar nichts. Dann sehen wir weiter. Punkt. 
Das macht mich je nach Tagesverfassung rasend. 'Dann sehen wir weiter' kann so in etwa alles und nichts heißen. 
Ich weiß nicht mehr worauf ich mich einstellen muss. Ich hätte verdammt noch mal so gern einen Plan. Etwas klares. Etwas echt greifbares. Womit ich etwas anfangen kann. 
Was soll ich weiter sehen. Auf ein weiteres Negativ? Auf ein weiteres Loch? Auf eine weitere wieder so unbestimmte Zeit in der weder ein entspannter Urlaub und ein Abschalten möglich ist? Mein Mut und der Glaube an etwas, das für uns sind wir mal ehrlich, in nahezu unerreichbare Weite gerückt ist, sind gänzlich hinüber. Wen wundert´s. 

Die vergangenen zwei Jahre, hab ich immer wieder über den Abgrund geschielt. Bin doch immer wieder zurück gelaufen. Wieder auf einem anderen Weg. Aber immer irgendwie in die gleiche Richtung: Abgrund. Andere Wegweiser scheint es auf unserer Strecke nicht zu geben. Einmal bin ich sogar mal runtergefallen. Wer mich wieder an den Anfang der Strecke gestellt hat, kann ich gar nicht genau sagen. Vermutlich war es die Hoffnung. Oder vielleicht auch die Verzweiflung. Ich verwechsle die beiden immer. Könnte aber auch die Angst gewesen sein. Die Angst, vor dem großen FÜR IMMER. 
IMMER - das große Wort. FÜR IMMER ohne Kinder. Was daran macht so Angst? Für IHN habe ich mich doch auch FÜR IMMER entschieden und es war gar nicht schlimm.  

Der Lieblingsmann kann FÜR IMMER gerade nicht stehen lassen. Für ihn ist das Thema nicht durch. Er sagt nur: wir wissen beide nicht was uns das Leben bringt. Wir wissen beide nicht wie wir in einem halben Jahr fühlen. Und widerwillig gebe ich ihm recht. Das weiß keiner. 
Er sagt schon auch, dass er darüber nachdenkt, dass es vielleicht auch besser ist einfach alles so zu lassen wie es ist. Dass wir das alles vielleicht nicht nochmal durchmachen wollen und auch können. Dass wir einfach dieses Glück nicht haben. Und trotzdem will er sich nicht festlegen. Er kann mir eben einfach keine Antwort geben auf die simple Frage: Was machen wir denn jetzt...

Ich denke bloß, sehen die Anderen das denn nicht, dass der ganze Zustand all das was dazu gehört irgendwann mal aufhören muss? Die ständigen Spritzen, Pflaster, Pillen, Gels, Pülverchen, Kügelchen, Tränen, Reibereien. Der ständige Wecker auf dem Handy: oh es ist Zeit für den Picks. Oh jetzt die Tablette. Oh heute wieder Termin. Die Blutungen hinterher. Ich blute im übrigen heute den 10. Tag so vor mich hin. Klar ist ja völlig normal, weil ja wieder mal alles durcheinander ist...ja und wie! Und ich bin echt sauer deswegen. Weil wieder mal alles durcheinander ist. Hier zuhause, in meinem Körper...überall. Und wieder schlägt die Trauer in so eine unglaubliche Wut um.

Natürlich weiß ich leider genauso gut, dass sich Entscheidungen ändern können. Sie haben sich bisher in unserer Geschichte immer geändert. Man kann felsenfest von etwas überzeugt sein - und am Ende wirft man doch alles über den Haufen. Hoffnung? Verzweiflung? Angst? 

Und doch will ich ihn von Herzen sein Tempo gehen lassen. Er lässt mich doch auch. Und ich bin ihm jeden Tag so dankbar dafür, dass er das alles erträgt, mich aushält, mit mir redet, mich festhält, meine Tränen trocknet. Sollte ich da nicht einfach seine Meinung so stehen lassen? Sollte ich vielleicht meine ganze Kontrolle und Planung über Bord werfen und versuchen loszulassen? Spontan sein? (Wie ich dieses Wort allein schon hasse) Mir die Situation zugestehen, dass der Wunsch für unser Baby einfach mit uns geht? Vielleicht geht er nicht weg, aber vielleicht kann er irgendwann nicht mehr mit uns mithalten, weil wir eben doch einen Schritt schneller gehen. Weil wir doch irgendwann sagen können - hey es war eine aufregende Zeit mit dir, aber jetzt such dir ein anderes Opfer, wir haben unser gemeinsames Baby im Herzen und den Weg, den wir bis hier her miteinander gegangen sind ebenfalls...
Um nichts auf der Welt will ich ihm und uns im Weg stehen. Zu gern würde ich ein wenig von seiner Art haben wollen. Seine Ruhe. Seine Hoffnung. Nur ein klitzekleines bisschen so wie er...und ich hätte vielleicht nicht so große Angst vor dem was kommt. Ich will uns nicht im Weg stehen...mit einer Entscheidung, die ich vielleicht treffen würde. Für mich. Und genau das ist mein Problem. Das zwangsläufig zu unserem wird...

Die Angst egal wie du entscheidest - es könnte falsch sein. Und wir könnten es irgendwann bereuen. Den Abschied...oder einen weiteren Versuch. Die Entscheidung, die dir niemand abnimmt, bei der dir niemand helfen kann. Die Hilflosigkeit, das verloren sein, das zerrissen sein, das ist so ziemlich das Gemeinste - nebst Trauer und bitterer Enttäuschung, was uns auf unserem Weg begleitet...all das wird uns noch die nächsten Wochen und Monate immer wieder neu herausfordern und belasten...

Prima. Läuft wieder. Wie immer würde ich sagen. 




Montag, 26. Oktober 2015

Wieder mal Stille.

Leere. Wie Ohrensausen, kurz bevor man in Ohnmacht fällt. Es war alles umsonst. All die Mühen, die Schmerzen, die Gedanken, die Sorgen, der Mut, die Hoffnung, der dafür aufgegebene Urlaub...alles umsonst. Wir stehen wieder mit leeren Händen da. Sind wieder kaputt, ausgelaugt und traurig. Wie schon die vielen Male zuvor in unserer gemeinsamen Zeit. Wir sind seit 8 Jahren zusammen. Wir gehen seit nun mehr fast 6 Jahren diesen Weg miteinander. Somit verbrachten wir die meiste Zeit unserer wundervollen Beziehung mit selbst heraufbeschworenen Sorgen. Die einzig sorgenfreie und wunderbar aufregendste Zeit waren unsere Flitterwochen. Klischeehafte zwei perfekte Wochen lang Liebe und Leben pur. Fabelhaft. Und unser so turbolentes erstes Jahr. So turbolent, dass ich fast ein Buch darüber schreiben könnte. (Keine Angst, das mache ich bestimmt nicht)

Jetzt sitzen wir da in unserer Stille. Haben den Halt unter den Füßen verloren. Wir verbringen die meiste Zeit in der wir zusammen sind ganz normal. Es muss ja auch weiter gehen. Wir lächeln uns gegenseitig Mut zu. Erfinden unser Leben neu in dem wir uns jeden Tag unzählig viele positive Dinge sagen, die unser Leben ohne Kind jetzt bereichern sollen. Es fühlt sich an, als würden wir das alles weglächeln. Alles was war wegwünschen. Und dann reicht ein Blick in seine Augen und es braucht keine Worte für die unendliche Traurigkeit und Enttäuschung. Es fühlt sich alles so verzweifelt an. Obwohl wir beide wussten, dass es genau so enden kann. Sehr wahrscheinlich sogar. Von Anfang an...wir sind praktisch mit offenen Augen in dieses Schlamassel gerannt. Ich habe immer daran geglaubt, dass wir es schaffen könnten. Künstliche Befruchtung, wozu gibt es die Hilfe denn? Na klar schaffen wir das...mit all unseren Befunden im Kopf...na klar schaffen wir das.

Es ist ein bisschen wie Liebeskummer. Wenn sich deine Magengrube taub anfühlt. Wenn du weder richtig essen noch trinken magst. Weil dir schlecht ist vor lauter Leere in deinem Herzen. Dir wird schwindelig wenn du aus dem Bett aufstehst, weil du am liebsten liegen bleiben möchtest in deinem zerknüllten Bett. Zerknüllt ist auch genau das richtige Wort für dein Herz. Dein Lachen ist irgendwo auf der Strecke geblieben, es reicht allenfalls für ein schwaches Lächeln. 
Es ist wie diese Art Hoffnungskummer, du weißt genau, dass es nicht funktioniert und doch hoffst du so sehr auf eine zweite Chance. Du weißt, dass es dich wieder unfassbar verletzten wird. Weil es das immer getan hat. Es wird sich nicht ändern. Und doch willst du genau nur das. Damit du dich wenigstens ein paar Tage glücklich und voller Energie fühlen kannst. Aber - was für ein riesen Trugschluss. Entweder du ziehst einen Schlussstrich, oder du leidest weiter für eine schrecklich ungewiss lange Zeit und weinst diesem einen Typen, den du in deinen Gedanken so vollkommen machst hinterher. Genauso vollkommen stellt man sich doch auch das Leben mit Baby vor. Genau so. Warum? Weil es dir bei Anderen so vollkommen vorkommt. Weil es dir so oft für vollkommen verkauft wird. Und schon lebst du in deiner Traumwelt und bastelst dir dein vollkommenes Baby zurecht. Immer und immer wieder. Irgendwann ist es in deinen Träumen so vollkommen, dass sich die Realität so grausam anfühlt, dass du zu deinem Herzschmerz beinahe körperliche Schmerzen erleidest. So ist das. Wie in der Liebe mit dem Typen. So in etwa ist das doch mit dem Kinderwunsch... 

Und jetzt?

Fangen wir von vorn an. Sortieren alles. Müssen wieder unendlich viel miteinander reden. Der ganze Seelenmüll... Es ist seit Jahren immer das Gleiche. Du kaust immer und immer wieder deine Situation bis zu Letzten durch. Um jedesmal auf ein anderes Ergebnis zu kommen. Um jedes Mal deine im Kopf zurechtgelegten Pläne zu verwerfen, weil du verdrängst, dass das Leben immer anders plant als dein Kopf. Und dass zu der Geschichte immer zwei gehören. Weil du oft vergisst, dass dein Partner sich auch einen Plan im Kopf zurechtgelegt hat und diese beiden Pläne haben oft kein gemeinsames Ende. Aber wenn die Pläne plötzlich doch ein gemeinsames Ende haben, eines dass zu erwarten war, dann wirst du dich zu Tode erschrecken. Im Moment prasselt alles auf uns ein. Das Ende, die Hintertür, Adoption, eben alles was der Geist zu bieten hat. Alles wird neu betrachtet und neu geordnet, wieder auf Eis gelegt...unsere Geschichte will einfach keine Form annehmen. Die einzige Form die ich darin erkennen kann, und darüber muss ich selber traurig lächeln, ist ein Hauch verrückte Verzweiflung. Die Zeit verrinnt weiter nur wir, wir harren irgendwo gefangen darin aus. Schaffen es nur in mühevoller Schwerstarbeit einen gemeinsamen Punkt zu finden, der bisher schon immer auf sehr wackeligen Beinen stand. Es ist schlicht und ergreifend zum K.....

Und so drehst du dich immerfort im Kreis ohne auch nur einen Schritt nach vorne zu kommen. Oder sind wir bereits einen Schritt weiter? Weil wir den Mut haben es auszusprechen? Oder gehen wir einen Schritt zurück, weil wir es zwar aussprechen aber beide den selben Gedanken haben, dass alles in ein oder zwei Jahren anders aussehen kann? Oder ist es nur die Enttäuschung, die sich da im Moment zu Wort meldet und nicht wir (wir wissen schließlich beide auch, dass ich in ein oder zwei Jahren so gut wie 40 bin und unsere Reserven mehr als aufgebraucht sind)? Ist es okay zu sagen, wer weiß was uns das Leben bringt? Sich diese Schwäche einzugestehen, dass man jetzt eine gewisse Ruhe zulässt, dass man mal endlich wieder zu leben anfängt... mit dem Gedanken, dass man sich noch für eine kleine Weile alles offen lässt? Ist es nicht vielleicht so, dass man dann in ein oder zwei Jahren eben nicht mehr dort weitermachen will wo das Herz in tausend Stücke zersprungen ist? Sondern sich vielleicht ganz freiwillig und ganz ohne Schmerz und ganz bewusst mit einem klaren Ja für ein Leben OHNE Kinder entscheidet? 

Ich weiß es nicht. Alles was ich weiß ist was mir hier und heute bleibt. Ein Rezept mit Beruhigungsmittel. Bei Bedarf ein schneller Termin mit einer Therapeutin, der Lieblingsmann eine kranke und eine verrückte Katze. Was will man mehr. Reicht für den Augenblick völlig aus.

Und hier an dieser Stelle möchte ich mich für die lieben Worte und Mails zu meinem letzten Post bedanken. Ich bin so dankbar dafür, dass so viele an meiner Seite stehen, denen es genau so geht. Ich bin dankbar dafür, dass ihr eure Geschichten mit mir teilt. So so so dankbar.






Mein Leben ist schön!

Woche vom 19. bis 25. September


Mittwoch, 21. Oktober 2015

Vom Anfang bis zum Ende.

ICSI Nr. 4. 
Oder vier lange Wochen...

Nach vielen Diskussionen, nach vielen Tränen, nach vielem Nachdenken, nach einiger Zeit also haben wir uns entschlossen noch ein Mal (herrje wie oft hab ich das eigentlich schon gesagt?)diesen Weg zu gehen. Es fühlt sich nach all den vielen "letzten Malen" gerade zu lächerlich an, ehrlich gesagt. Aber hey - Herz, Kopf, Bauch irgendeiner wollte und konnte nicht los lassen. Diese liebevoll gemeinten: "Wir-sind-schon-einen-Schritt-weiter und "jetzt-wissen-wir-endlich-dass-sie-schwanger-werden-können" Versuche, das Gesamtpaket an Gefühl und letzter Hoffnung, das alles trug wohl dazu bei, dass wir das alles nicht aufgeben wollten. Nicht einfach so. Weder ich noch der Lieblingsmann. 

Die restlichen Urlaubstage kamen mir diesmal gerade recht, Rezepte und Behandlungsplan flatterten ins Haus.

Am 3. Zyklustag ging es los mit den verhassten Spritzen. Nein hier gilt nicht je öfter du das machst, desto besser läuft der ganze Mist. Nein. Nicht hier bei mir. Ich bin vielleicht im eigenen Badezimmer mittlerweile Ampullenaufziehprofi unter erschwerten Bedingungen, weil ich die Katzen aussperren muss, denn die finden das crazy, da es überall raschelt und es so tolle Plastikteilchen gibt die man fangen kann. Aber die Spritzerei...ist und bleibt Mist. 
Nach drei Tagen spritzen war mir schlecht. Ich hatte den ganzen Tag eine latente Übelkeit. Und Kopfschmerzen. Ich habe äußerst selten Kopfschmerzen. Eigentlich nie. Ab dem 6. Zyklustag eigentlich täglich. Mein Ultraschall am 9. Zyklustag war wie zu erwarten ohne Ergebnis. Kleine Eier. Nicht viele. Von da an begann es zu ziehen. Neben Übelkeit, Kopfschmerzen, Durchfall eben auch noch Bauchschmerzen. Man kennt das ja. Ich kann mich allerdings nicht erinnern, dass ich letztes Mal (unter übrigens den genau gleichen Medikamenten) genau solche Nebenwirkungen hatte. Aber: Unsere Körper sind keine Maschinen. Vermutlich ist es eben jedes Mal anders.

Am 12. Zyklustag dann der zweite Ultraschall. Wir trauen unseren Ohren nicht als der liebe Herr Doktor meinen linken Eierstock schallt. Da ist wohl eher wenig zu sehen. Ein paar. Klitzeklein. Also nichts eigentlich. Rechts dann ganze drei. Punkt. Mehr ist nicht drin. Einmal tief ein- und ausgeatmet, den aufkommenden Kloß runtergeschluckt, gelächelt und gesagt: ja - immerhin.
Wir verbringen den restlichen Tag in der Stadt, denn wir haben beide frei. Nach dem ich etwa 30 Klöße runtergeschluckt hatte, rollten dann auch mitten im Café die Tränen. So eine Scheiße aber auch. Ich werde wohl alt. Ich fühle mich wie eine ausgemergelte Ziege. Mehr ist wohl nicht mehr drin, es hat mir aber auch niemand gesagt, dass mein Eizellendepot wohl langsam zu Ende geht?!

Der Ultraschall am 14. Zyklustag ist noch immer ernüchternd. Es sind eben einfach nur drei. Vielleicht vier, weil sich noch eins versteckt. Auf der trägen linken Seite ist gerade mal eines gewachsen. Viel zu klein. Bereits auf dem Stuhl musste ich das erste mal weinen. Und als der Dok uns sagte, wir können überlegen ob wir hier abbrechen wollen oder weitermachen wollen, bricht für mich das mühevoll aufgebaute Kartenhaus erst mal mit einem riesen Rums zusammen. Auch er kann uns keinen Rat geben. Immerhin hatte ich die gleiche Dosis unter der ich bei der letzten ICSI wenigstens 11 Eizellen "produziert" hatte. Dennoch kann es sein, sagt er, wenn wir erneut stimulieren, dass das gleiche Ergebnis wieder kommt. Oder es sind mehr, aber dafür wieder viele schlechte. Oder aber wir stimulieren neu und das Ergebnis ist trotzdem negativ. Oder ich bin dann wieder überstimmuliert. Oder wir ziehen das jetzt durch und es entwickelt sich wenn wir Pech haben keins weiter. Oder der Test ist sowieso negativ. Oder aber wir haben Glück. Oder aber wir hätten beim nächsten Mal mehr Glück. Jetzt war ich endlich bereit, diesen Schritt nochmal zu wagen. Warten würde bedeuten, dass sich alles wieder zieht. Noch mehr Hormone. Noch mehr Psyche kaputt.

Wir verlassen die Praxis mit dem Termin für die Punktion und dem Rezept für die Auslösespritzen. Die komplette Autofahrt nach Hause bin ich in Tränen aufgelöst und wir versuchen eine Entscheidung zu treffen. Egal welche wir treffen, egal wie wir es wenden und drehen, es wird vermutlich immer die Falsche sein.
Wir entschieden uns letztendlich den Versuch einfach zu Ende zu bringen. Vollgepumpt mit Hormonen bin ich sowieso schon und vielleicht ist bei den wenigen Eizellen diesmal einfach die Richtige dabei. 

Am Tag vor der Punktion hat der Lieblingsmann Migräne. Ich mache mir große Sorgen um ihn und natürlich auch um den Termin. Was wenn er nicht fit ist... Ich und meine lausige Ausbeute brauchen ihn schließlich. Ich versuche mir die Panik nicht anmerken zu lassen, was mir wie immer schlecht gelingt. Damit setze ich ihn noch mehr unter Druck. Und es tut mir wie immer so leid.

Am 16. Zyklustag dann die Punktion. 4 Eizellen. Die Ärztin und die Schwester von der Anästhesie sind so unglaublich lieb zu mir, dass ich sie gern fragen würde ob sie mich nicht einfach den restlichen Tag (oder gleich die nächsten zwei Wochen) fest schlafen lassen...Frau Doktor streichelt mir beruhigend über die Schultern und von meinen Augen verschwimmt schon der Eizellenpunktator. Diesmal hatte ich keine Angst einzuschlafen, im Gegenteil. Ich konnte es kaum erwarten. Ich finde den Gedanken etwas erschreckend ehrlich gesagt. Uhuuuuu die fährt auf Propofol ab...Aber bestimmt war es nur in diesem einen Moment so. Weil ich stundenlang vorher wieder so gemein aufgeregt war.

Und so warten wir 35 gespritzte Ampullen und 23 Pickse später und mit neuen Medikamenten in der Tasche auf den Anruf vom Labor. Mit wie immer blanken Nerven und ordentlichen Bauchschmerzen. Ja auch 4 Eizellen können irgendwie echt weh tun...Der Anruf kommt und wir erhalten tatsächlich die gute Nachricht, dass wir zum Transfer kommen dürfen. Somit verbringe ich die Geburtstagsfeier von meinem Papa recht streßfrei und keiner merkt was.  

Pünktlich am zweiten Tag nach der Punktion dann der übliche dicke Spannungsbauch. Ich trinke literweise und kann gar nicht glauben, dass die Wampe aufgrund der kleinen Ausbeute doch so mächtig anschwillt.

Am Morgen des 05. Oktober (wir kommen zum ersten Mal in unserer Kinderwunschgeschichte zu spät, wir stehen über eine halbe Stunde im Stau etwa 10 Minuten vor dem Ziel...) bekommen wir nun also ein kleines Zellchen zurück. Ein tolles wie der Doktor sagt. Was ist mit den anderen Zellchen passiert? Nun ja...sie haben es nicht geschafft. Zwei waren nicht intakt und eines, das wollte einfach nicht. Bleibt alle Hoffnung auf der kleinen Kämpferzelle.
Zum Transfer darf ich dank Propofol wieder schlafen, weil das bei mir immer recht schmerzhaft ist, wegen des Knicks, den meine Gebärmutter macht. Auch dieses Mal finde ich es eigentlich nicht schlimm. Es hat was, wenn du weißt, dass deine ganze Aufregung und deine ganze verdammte Angst für eine halbe Stunde einfach wie weggeblasen ist...vermutlich schnappt sich jeder Kurzschlaf eine oder mehrere Gehirnzellen noch mit dazu. Der Lieblingsmann sagt, ich bin nur so vergesslich wegen der ganzen Narkosen in meinem Leben. Waren ja nur etwa 12 in 5 Jahren :/

Ich verbringe schlaflose Nächte und habe ständiges Bauchseitenstechen. Alles drückt, Blase, Gebärmutter, jedes Hinsetzen, jeder Toilettengang. Essen kann ich nicht viel, weil ich etwa nach drei Bissen Völlegefühl habe. Aus Erfahrung ändert sich das aber bald wieder und dürfte in einer Woche dann vorbei sein. Also ist das auszuhalten. 

An Tag 3 nach dem Transfer spannt mein kleiner Wünschebauch so sehr, dass ich zeitweise ein bisschen Angst bekomme, nicht genug einatmen zu können. Kennt das jemand? Wenn du denkst du musst ja besonders tief einatmen und dann geht das nicht so wie du willst??? Jahaaaaaaaaa da kann man sich auch herrlich hineinsteigern und verrückt machen...An dem Tag jedenfalls griff ich zum verhassten Eiweißshake. 

Etwa eine Woche nach dem Transfer habe ich eine Auswahl an Symptomen. Mein Körper, meine Psyche alle machen mit, hauen richtig auf die Kacke, damit ich voll auf meine Kosten komme. Ich leide unter Appetitlosigkeit, verspüre Übelkeit aber natürlich nicht morgens. Möchte mitten in der Nacht nichts lieber als Karottensalat, den es natürlich nirgendwo gibt, nur lausige Essiggurken, die nicht mal knacken beim abbeißen. Der Spleen mit dem Karottensalat hält übrigens ganze 24h und ist dann auch schon wieder vorbei. Es machen sich bereits die meisten Psychosymptome einen Tag später wieder vom Acker. Bis auf fieses Ziehen in der Gebärmutter und die abendliche Übelkeit. Ich stelle mir täglich die Frage ob es das Zellchen ist, das um sein Leben kämpft, oder der Körper, der mit dem Zellchen kämpft um es los zu werden. Ich lege meine Hand auf das gespannte von Mensbeschwerden geplagte Bäuchlein und versuche da irgendwas festzuhalten, wovon ich nicht mal weiß ob es noch da ist. Verzweifelt, traurig, mit ein bisschen Hoffnung und der Aussicht, dass mich alles erwarten kann am Ende dieser verdammten zwei Wochen.

6 Tage vor dem Test bestehe ich innerlich aus Panik. Meine Angst es NICHT zu sein ist so unfassbar groß, dass ich mich frage, wie ich jemals darüber nachdenken konnte es NICHT noch mal zu probieren. Diese Panik weicht keine Sekunde von mir. Natürlich, weil mir so glasklar bewusst ist, dass ungefähr jeder vor meiner Nase gerade ein Kind bekommt oder eins hat. Ich bin umgeben von einer verschwindend traurig kleinen Anzahl von Menschinnen, die gerade kein Baby haben. Alles woran ich denken kann ist: Ich bin die, die übrig bleibt. 

4 Tage vor dem Test spüre ich nichts. Gar nichts mehr. Ich bin einfach wie immer. Die Erdbeerwochenapp meldet sich, es sei an der Zeit. Ich hatte vergessen sie auszuschalten so lange ich...
Tatsächlich fühle ich es einfach nicht. Ich frage mich ob ich fähig bin eine Schwangerschaft zu fühlen? So wie tausend andere Frauen, die eben mal in sich hinein horchen - ahhhhhhhhh mhm mhm ja hier ist etwas anders als sonst, ich fühle es...Bullshit. ICH FÜHLE ES NICHT. Im Grunde fühle ich mich tatsächlich wohl. Keine Beschwerden. Keine Übelkeit. Mir geht es gut. 

Einen Tag vor dem Test entscheiden wir uns vorerst für ein Ende. Sollte es nicht klappen, dann ist der Weg hier erst mal vorbei. Warum 'erst mal' und nicht 'für immer'? Ganz einfach weil weder ich noch er in der Lage sind dieses "für immer" in unser Leben zu lassen. Noch nicht. Ich muss wohl noch eine ganze Weile leiden...trauern...hadern...ehe es sich für mich endgültig anfühlen wird. Er hat es generell nicht mit Entscheidungen. Er sagt, es wird sich zeigen was uns das Leben bringt...

Am Tag des Test bin ich ab 4 Uhr wach. Leider schlafe ich gegen 6 Uhr nochmal ein und träume die schlimmsten Szenarien einmal durch. Ich wäre lieber wach geblieben...Da wir in unserer Klinik immer erst einen Tag später anrufen können um das Ergebnis zu erfragen, beschließen wir am Nachmittag selber zu testen. Aus dem Grund, weil der Lieblingsmann beim Anruf nicht bei mir sein kann. Ich gehe etwa 5 mal am Nachmittag zur Toilette - jedes Mal ohne einen Test zu machen. Wir haben beide zu sehr Angst, dass es bei einem Strich bleibt. Wir beschließen es dabei zu belassen. An Schlaf wäre in allen Varianten der Situation sowieso nicht zu denken. Also ist es eigentlich egal. Ich habe erwartet, dass es leichter sein würde so einen kleinen Pippitest zu machen, weil man sich dann einen Tag Aufregung sparen könnte...aber dass uns die blanke Angst so dreist ins Gesicht lacht, damit habe ich nicht gerechnet. Also ist es einfacher Angst zu haben und sich noch eine Nacht lang an die Hoffnung zu krallen, dass aus der Geschichte doch noch etwas großes werden könnte.

Und so wartete ich am Folgetag, das war gestern, über eine halbe Stunde lang auf den Rückruf der Klinik um das eine Wort zu hören.

Es ist also wahr. Meine ganze Panik, alles soll sich bewahrheiten. 

Ich bin die, die übrig bleibt. 

Es wird wieder und wieder kein Baby für uns geben. Wir beide bleiben allein. Bis zum Ende unserer gemeinsamen Zeit. 
Und so müssen wir das Ende dieses Weges bestreiten. Keine Ahnung wie und wo ich damit anfangen soll. Ich bin heillos überfordert mit diesem kleinen Wort. Es zerbricht so etwa alles um mich herum und ich kann es nicht mal aufhalten. Wie dumm ich wieder gewesen bin...ich hatte tatsächlich an diese Chance geglaubt so fest ich nur konnte...

















Mittwoch, 14. Oktober 2015

Für immer ab jetzt


Keine Chance zur Gegenwehr,
keine Suche keine Fragen mehr.
Vielleicht kommt er niemals wieder,
dieser eine...dieser eine Moment.

Und die Zeit steht still,
weil ich diesen Moment für immer behalten will.
Und ich halt ihn fest,
für immer ab jetzt.


Hey kleiner Punkt. In ein paar Tagen - so ungefähr - wärst du wohl auf die Welt gekommen. In ein paar Tagen wird so ungefähr der zweitschrecklichste Tag des Jahres werden. Dich verloren zu haben, das Gefühl, dass das hier jetzt zu Ende ist, ist ein fürchterliches. Aber man braucht vermutlich einen Termin. Ein Datum. Ein kleines Ende um irgendwie abzuschließen. Dieses kleine Ende steht vor der Tür. Über die ganze Zeit hinweg stellten wir uns unsere Meilensteine vor. Dein Herzchen, dass wir so gern hätten schlagen sehen...die berühmten Wochen...ab wann du wohl lebensfähig gewesen wärst wenn du bei uns geblieben wärst...Über die ganze Zeit hinweg haben wir die Leere so oft gespürt. Es tat weh zu sehen, dass für viele sich der Wunsch zu erfüllen begann, es tat aber genauso weh zu sehen, wie viele genau das Gleiche erlebt haben wie wir. So ist das mit der Welt da draußen...sie dreht sich weiter. Nur manchmal steht sie still damit man inne halten kann. So wie gerade jetzt.

 Es ist wohl an der Zeit nach vorne zu gehen. Es ist wohl an der Zeit neuen Wundern in unserem Leben eine Chance zu geben.
So bist du fest in unseren Herzen - verewigt als klitzekleiner Punkt von dem irgendwann nur noch der Lieblingsmann und ich wissen. Ein kleiner Punkt, der für viele nur ein Wert gewesen wäre. Aber für uns war der Wert, das Gefühl endlich irgendwo angekommen zu sein einfach alles. Und das hat unser Leben arg verändert.
Uns so versuche ich das alles loszulassen, weil du mir schon diesen Sommer gezeigt hast, dass immer wieder ein kleiner Schmetterling bei uns vorbeifliegt und guten Tag sagt. Vielleicht bist du ja einer davon. Ganz bestimmt sogar. 







Montag, 12. Oktober 2015

MakroMontag

Ich liebe Kerzen und ihren Schein. Sie machen alles so gemütlich, sinnlich, wohlig, warm...




Kerzen gedenken Menschen, Kerzen stehen für stille Bitten, Kerzen erhellen dunkle Zeiten, Kerzen verbreiten manchmal einen wunderbaren Duft, Kerzen machen Räume zauberhaft, warm und wunderbar. Eine Kerze brauchen wir dringend in diesem Jahr, für den für uns so dunklen Oktober. Ein kleines Licht für unseren kleinen Punkt im Herzen. 



Kerzen gehören für uns eigentlich zu jedem Essen dazu. Sie symbolisieren für uns: Jetzt ist die Ruhe da, jetzt ist Zeit nur für uns Zwei, jetzt lassen wir uns nicht stressen...

In diesem Sinne, viele streßfreie Momente diese Woche!

Und hier schicke ich meine Kerze hin: Britta von aufmeineartphotographieunddesign

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Bittersweet #5

Mein Papa. Mit seiner jüngsten Enkeltochter. Er sieht so zufrieden aus. 

Diese Familienfeiern an denen du zu zweit da sitzt. An denen es um dich herum nur so sprudelt vor Leben und Spaß. Diese Familienfeiern an denen du da sitzt und es plötzlich in all dem Trubel unfassbar still um dich wird. 

Ich hasse diese Momente.